Am 6. Januar verabschiedeten wir uns von alten und neuen Freunden – sie mussten zurück in den Alltag. Wir blieben noch, genossen Sonnenschein beim Klettern und Regengüsse während der Arbeit. Ob wir weiterhin mit anderen kletterbegeisterten Van-Lifern den großen Strandparkplatz und die umliegenden Felsen bevölkern wollten oder nicht, stand allerdings gar nicht zur Debatte. Denn da war noch dieses Paket …
Schon lange vor Weihnachten hatten wir in Deutschland unsere letzte „Bestellung“ aufgegeben und unsere armen Eltern mit dem Versand beauftragt. Anders als in Italien brauchten wir angeblich keine genaue Adresse – Name, Ort und eine Telefonnummer (am besten eine griechische) würden völlig ausreichen. So zumindest die Theorie.
Also gaben wir alles gewissenhaft bei der Erstellung des DHL-Labels an und begannen das Warten.
30. Dezember – Ankunft in Griechenland, angeblich in Athen. Wir warteten.
Mail an den Kundenservice, Telefonnummer vorsichtshalber erneut hinterlegt – das Paket sei in Tripoli bei einem Drittanbieter, nicht in Athen. Wir warteten.
Anruf beim Drittanbieter – man habe kein DHL-Paket für Leonidio. Wir waren verwirrt.
Besuch beider Postfilialen in Leonidio – Sendungsnummer unbekannt. Wir waren verwirrt.
Anruf bei DHL Griechenland – eine Telefonnummer würde fehlen. Ähm?! Noch einmal angegeben.
Wieder angerufen – eine Telefonnummer würde fehlen. Ähm?! Noch einmal angegeben.
Ob wir das Paket in Tripoli selbst abholen könnten? Klar, aber wir sollten uns beeilen, es liege dort ja schon eine ganze Weile. Wir waren genervt.
Noch ein Anruf beim Drittanbieter – ach so, ja, das Paket liege dort tatsächlich schon länger. Ohne Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Ähm?! Wir waren genervt.
Tschüss Leonidio, wir müssen dann mal weg…
90 Minuten nach unserem letzten Telefonat mit dem Drittanbieter, bei dem das Paket spontan entschieden hatte, aufzutauchen, erreichten wir seine Adresse in Tripoli. Kaum rollten wir durch das offene Tor auf das umzäunte Grundstück, sprangen drei wütend bellende Hunde am Wohnmobil hoch, Krallen kratzten über den Lack. Rückzug. Schnell rollte das Wohnmobil vom Hof und wir parkten ein paar Meter weiter entfernt.
Was schützt besser vor Wachhunden als ein Auto? Genau – kein Auto! Also sperrt die Frau des Hauses ihre Familie im Fahrzeug weg, marschiert auf den Hof, erklärt den Hunden, sie mögen doch mal eben chillen, öffnet die Tür und fragt ganz kleinlaut, ob man ihr vielleicht das Paket geben könnte.
Kopf einziehen, Tür behutsam schließen, die Hunde schief angrinsen, vom Hof stolzieren und der Familie stolz die Jagdbeute präsentieren – der Jäger von heute.
Ein Blick auf das Label fasste die ganze Erfolgsstory perfekt zusammen: drei gescheiterte Zustellversuche am 31. Dezember, 3. und 12. Januar – wegen fehlender Telefonnummer und E-Mail-Adress. Direkt daneben: unsere mehrfach angegebene Telefonnummer. Aha.
Wir beschwichtigten unsere Gemüter und belohnten uns schließlich mit der im Paket enthaltenen Weihnachtsschokolade.

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