Sonnenschein und Sinnflut

Es ist Januar. Während andernorts Menschen schon beim Gedanken daran, draußen nackt herumzulaufen, spontan erfrieren – Sonne hin oder her – saßen wir in kurzer Hose am Ende der Welt an „unserem Privatstrand“, dem Kalamaki-Strand .

Keine Menschenseele weit und breit. Wir lümmelten in unseren Stühlen, ließen uns von der Sonne wärmen und nutzten ganz dekadent die Stranddusche – fließendes Wasser direkt am Meer. Januar kann auch anders aussehen.

So idyllisch das klingt – irgendwann wurde es fast ein bisschen… langweilig.

Doch dann meldete sich unser hauseigener Kfz-Arzt zu Wort. Dr. Tobias Romahn hatte ein neues Geräusch im Antrieb des rollenden Zuhauses erlauscht und seine wenig erbauliche Diagnose lautete: „Das Haus hat Zahnprobleme – bitte einmal Zahnriemen wechseln“.

Da wir jedoch nicht in der Lage waren, eine Werkstatt zu finden, die sich freitags an ihre Öffnungszeiten halten wollte – eine besonders entspannte Form mediterraner Zeitrechnung? – trudelten wir einfach mit der nächsten Unwetterwarnung nach Methoni. Auf einem betonierten Parkplatz direkt an der Küste verbrachten wir in bester Gesellschaft – sie aus der Nähe von Jena, er aus der Nähe von Nürnberg und zusammen seit vier Jahren dauerhaft im Wohnmobil lebend – das Wochenende.

Tagsüber streiften wir durch den Ort und besichtigten die überreste der Burg, die noch aus einer Zeit stammte, als die Stadt ein wichtiger Stützpunkt auf der Pilgerreise von Venedig nach Jerusalem war. Auf dem Weg über das Meer hin zum markante Bourtzi-Turm, der auf einer kleinen vorgelagerten Insel im Meer liegt und bei ruhiger See fast romantisch, bei Sturm ziemlich dramatisch ist, blieben wir begeistert stehen und ließen uns das Salzwasser um die Ohren fliegen.

Eine Nacht später zeigte sich, was das Meer uns noch so alles um die Ohren fliegen lassen kann: viel Treibgut und Müll – quer über Strand, Straßen und Parkplatz. Nachdem am Morgen die ersten erstaunten Einwohnern ihre Fotos und Videos gemacht hatten, verschwand fast alles wieder so schnell, wie es angespült worden war. Innerhalb kürzester Zeit wurde geräumt und gefegt, und nur die aufgeschichteten Haufen am Rand und die deutschen Flüchtlinge, die am Strand Müll einsammelten, erinnerten noch an das vorherige Chaos.

Sonnenschein und Sinnflut liegen hier manchmal nur einen Tag auseinander. Und wir leben natürlich mittendrin.

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