Schatz, meine Hosen stehen von alleine

Als wir eines Morgens die Schränke öffneten, um die mittlerweile selbstständig stehenden Hosen gegen frische Exemplare auszutauschen, wurde uns klar: Die Unterwäsche zählte ihre letzten Tage. Wir mussten uns Richtung Kalamata bewegen – Mission: gleichzeitig alle Waschmaschinen und anschließend sämtliche Trockner in Beschlag nehmen. Effizienz ist schließlich alles.

Doch wer wären wir, würden wir schnurstracks dorthin fahren. Noch waren die sauberen Höschen nicht vollständig aufgebraucht und mit ein bisschen Handwäsche hier und ein bisschen Optimismus da, konnten wir uns noch einen kleinen Abstecher hier und einen größeren dort erlauben.


Velanidia & Kap Malea

Zuerst zog es uns nach Velanidia. Von dort wanderten wir zum Leuchtturm des Kap Maleas – eine schöne Strecke ohne größere Schwierigkeiten und mit viel Leinenfreiheit für Mensch und Tier.

Die Tropfsteinhöhle Kastania (oft auch Kastellan genannt), eine der bedeutendsten Höhlen Griechenlands mit eindrucksvollen Stalaktiten- und Stalagmitenformationen, mussten wir schweren Herzens auslassen. Wir waren am Anfang der Woche und die Höhle war aktuell nur an den Wochenenden zugänglich – unser Kleiderschrank jedoch hatte bekanntlich ein Mitspracherecht bekommen und das war nicht verhandelbar.


Monemvasia – Gibraltar des Ostens

Auf Empfehlung einer deutschen Bekanntschaft steuerten wir anschließend Monemvasia an. Die spektakuläre Felsenstadt liegt auf einem massiven Kalksteinfelsen, der nur über einen schmalen Damm mit dem Festland verbunden ist – daher auch der Name: Monemvasia bedeutet so viel wie „einziger Zugang“.

Der Felsen wurde vermutlich bereits im 6. Jahrhundert n. Chr. besiedelt, als sich Menschen vor slawischen und später arabischen Überfällen in Sicherheit bringen wollten. Über die Jahrhunderte wechselte der Ort zwischen byzantinischer, venezianischer und osmanischer Herrschaft, christlichem und muslimischem Glauben.

Heute schlendert man durch die restaurierte Unterstadt mit ihren engen Gassen, Tavernen und kleinen Läden, während die Oberstadt – die Zitadelle auf dem Plateau – seit den 1920er-Jahren unbewohnt ist. Von dort oben blickt man über das Meer und versteht sofort, warum dieser Felsen über rund 1.500 Jahre strategisch so begehrt war.

Unsere abendliche Geschichtslektüre. Manche Orte liefern einfach ihren eigenen Lesestoff.


Schiffswrack Dimitrios

Ein letzter kurzer Zwischenstopp führte uns zum Schiffswrack Dimitrios am Strand von Valtaki bei Gythio. Das Frachtschiff strandete dort nachdem es sich bei einem Sturm im Dezember 1981 von seiner Verankerung losgesagt hatte. Seit über 40 Jahren rostet der Stahlkoloss nun im Sand vor sich hin und ist zu einem der bekanntesten Fotomotive der Region geworden.

Der Strand selbst war leider ziemlich zugemüllt – also blieb es bei einem kurzen Besuch.


Kalamata & der Tag der Abrechnung

Und dann, endlich: Kalamata.

Waschsalon. Münzen klimpern. Maschinen brummen. Wir sortieren, stopfen, starten, sortieren, stopfen, starten, sortieren, falten, räumen.

Während sich unsere komplette Garderobe einmal im Kreis drehte und unser Wohnmobil die halbe Straße blockierte, saßen wir zufrieden daneben. Frische Wäsche ist vielleicht nicht spektakulär, aber für uns fühlt es sich immer wieder wie ein kleiner Luxus an – genau wie lange, heiße Duschen.

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