Spaß und Bildung halten Händchen

Weiter ging es noch ein Stück südlicher – in die Gegend von Agia Marina, hinaus Richtung Kap Maleas. Nicht zum Klettern, was hier natürlich auch möglich gewesen wäre, sondern zum Staunen und Wandern und… noch mehr Staunen. 

Denn hier liegt eine Landschaft, die sich anfühlt wie ein Freilichtmuseum der Erdgeschichte: versteinerte Stämme eines einstigen Palmenwaldes, dazu überall im Gestein eingebettete Meeresbewohner. Und nein, wir reden nicht von einem kleinen Infotäfelchen mit „Hier stand mal ein Baum“.

In Griechenland gibt es mehrere fossile Wälder und oft sind solche Wälder durch vulkanische Asche konserviert worden. Dort dringen silikatreiche Lösungen (also vor allem Kieselsäure) in das Holz ein und ersetzen nach und nach das organische Material – Pyritisierung.

Am Kap Maleas lief es etwas anders. Hier geht man davon aus, dass der damalige subtropische Wald vor etwa 2-3 Millionen Jahren (also im späten Pliozän) durch Überflutungen rasch von Sedimenten bedeckt wurde. Sauerstoffarme Bedingungen verhinderten die vollständige Zersetzung und mineralreiches Wasser begann sein Werk.

Permineralisation: Mineralhaltiges Wasser sickert durch das tote Holz, die gelösten Mineralien – hier vor allem Kalziumkarbonat – lagern sich in den Zellhohlräumen ab und kristallisieren dort aus. Die Zellstruktur bleibt dabei erstaunlich gut erhalten, nur das organische Material wird nach und nach durch Mineral ersetzt. Das Ergebnis: Stein gewordene Palmen, inklusive erkennbarer Strukturen. Erdgeschichte zum Anfassen.

Jetzt wissen wir endlich, was „Pyri-was“ und „Permi-wer“ sind.

Rund um die Stämme findet man zudem versteinerte Meerestiere: Seeigel, Muscheln, Schnecken und andere Mollusken. Ein Hinweis darauf, dass diese Region mehrfach vom Meer überdeckt war. Man kann kaum einen Schritt machen, ohne irgendwo auf ein tellergroßes Fossil zu zeigen. Es ist ein bisschen wie Ostereiersuche – nur in Millionen Jahre alt.

Schlecht für den damaligen Palmenwald also. Großartig für neugierige Besucher mit Wanderschuhen.

Und so streifen wir nun täglich zwischen steinernen Palmen und fossilen Meeresbewohnern umher, lernen ganz nebenbei mehr über Geologie als wir je geplant hatten, besuchten schließlich noch die alte Kapelle Agios Georgios – und stellen wieder einmal fest: Staunen funktioniert auch ohne Klettergurt ziemlich gut.

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