Pinkelstreik, Planschbecken und Nummernziehen

Warmer Einstand

Zielgenau und viel zu früh – ganz wie geplant – landen wir in Genua. Nach stundenlangem Warten dürfen wir endlich auf die Fähre, beziehen unsere Kabine und machen es uns gemütlich. Als das Schiff pünktlich um 23 Uhr ablegt, legen auch wir uns zur Ruhe. Lichter aus, Kopf abschalten und von neuen Abenteuern träumen. Läuft doch!

Der darauffolgende Tag auf See zieht sich allerdings ganz schön in die Länge. Vor allem für Püppchen Cima, die sich partout weigert, ihre Blase auf dem Fährdeck zu entleeren. Schließlich pinkelt man zu Hause ja auch nicht einfach auf die Terrasse! Dass diese Terrasse gerade ein schwimmendes Schiff ist und das nächste Stück Land noch Stunden entfernt liegt, scheint für sie kein überzeugendes Argument zu sein. Nun gut, jeder hat seine Prinzipien.

Um 17 Uhr legen wir in Palermo an, um 18 Uhr verlassen wir endlich die Fähre. Wir schlängeln uns durch den quirligen Verkehr der Stadt und machen uns auf den Weg nach San Vito Lo Capo. Genauer gesagt, zum Spiaggia di Isulidda, wo wir uns ein nettes Plätzchen suchen und erst einmal die Wärme des Südens in vollen Zügen genießen.

Denn der Temperaturwechsel hat es in sich: Von nächtlichen vier Grad in Deutschland, bei denen wir zuletzt versucht hatten, jedes noch so kleine Quäntchen Wärme im Wohnmobil zu halten, wechseln wir zurück zur Frage aller Fragen: Wie bekommt man nochmal nachts diese 27 Grad aus dem Wohnmobil?

Am Samstag lassen wir es gemütlich angehen und starten zu einer kleinen Erkundungstour. Immer an den Kletterfelsen entlang geht es über scharfkantiges Gestein Richtung San Vito. Die Landschaft ist bizarr, rau und wunderschön – und die Sonne gibt sich alle Mühe, uns möglichst bald wieder zurück zum Wohnmobil zu schicken.

Happy und Cima finden zwischen den Felsen derweil ihre ganz eigenen kleinen Paradiese: In den natürlichen, warmen, salzigen Planschbecken können sie nach Herzenslust herumtoben und sich abkühlen. Der anschließende Durst lässt sich allerdings nicht mit Meerwasser löschen, sondern nur mit dem Frischwasser aus Frauchens Rucksack. Irgendwer muss hier schließlich vernünftig bleiben.

Nach einer Runde für die Zweibeiner im großen Schwimmbecken, bekannt als das Tyrrhenischen Meer, stellen wir fest: Für den ersten Tag gar nicht schlecht, aber das geht doch noch besser! Morgen steht Klettern auf dem Plan!


Zeit zum Klettern

Da am Felsen wenig los war, entscheiden wir uns für einen einfachen Kompromiss: hinterster Sektor vom nächstgelegensten Felsen. Wir starten früh, denn mittags zieht die Sonne in jeden noch so schattigen Winkel der Felsen, und bei 23 Grad im Schatten – gefühlt weit über 30 Grad in der Sonne – wollen wir lieber nicht mehr mit dem Stein kuscheln.

Klingt nach einem soliden Plan. Was soll da schon schiefgehen.

Tja. Eine Stunde nach unserer ersten Route ist der Fels rappelvoll. Vereinsamen würden wir wohl nicht und sollte auch nur noch eine einzige Seilschaft auftauchen, würden wir das Ziehen von Nummern einführen – wie auf einem guten, alten deutschen Amt.

Nichtsdestotrotz: Am Ende der Session sind die Fingerkuppen wund und wir mit unserer ersten Kletterleistung durchaus zufrieden. Gemütlich trotten wir zurück zum Wohnmobil. Dort wartet die nächste Abkühlung im Meer, gefolgt von der wohl naheliegendsten Frage des Tages: Und was klettern wir morgen Schönes?

Irgendwas am Meer. Irgendwas im Schatten. Irgendwas mit langem Zustieg.


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