{"id":184,"date":"2025-11-22T21:56:17","date_gmt":"2025-11-22T20:56:17","guid":{"rendered":"https:\/\/roroblogging.ddns.net\/?p=184"},"modified":"2025-11-22T21:56:17","modified_gmt":"2025-11-22T20:56:17","slug":"gluck-tranen-und-heise-duschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/roroblogging.ddns.net\/?p=184","title":{"rendered":"Gl\u00fcck, Tr\u00e4nen und hei\u00dfe Duschen"},"content":{"rendered":"\n<p>Nachdem wir am vergangenen Samstag unser verloren gegangenes Zuhause wieder einfangen konnten, sa\u00dfen wir erst einmal fest. Am Sonntag besuchten wir die Polizei und die Polizei uns \u2013 sonst passierte nichts, denn gearbeitet wurde nicht. Am Montag organisierte man uns einen Monteur, der das Wohnmobil wieder \u201egangbar\u201c machte. Doch unsere deutschen K\u00f6pfe weigerten sich, mit dieser sehr italienischen L\u00f6sung aus Kabelbindern und Isolierband in die weite Welt hinauszufahren. Wir baten daher unsere schw\u00e4bisch-italienische Bekanntschaft um Hilfe &#8211; jemanden, der einer Werkstatt am Telefon unser Anliegen verst\u00e4ndlich und mit dem n\u00f6tigen Nachdruck erkl\u00e4ren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sie und der Polizist, der uns am Samstagabend in der Wache von Torremaggiore empfangen hatte, liiert sind, hatten wir ein ziemlich gro\u00dfes Ass im \u00c4rmel. Sie kannten den Inhaber jener Werkstatt, in der die Polizeiautos regelm\u00e4\u00dfig landeten und f\u00fcr uns statteten sie der Werkstatt kurzerhand einen Besuch ab. Zuckerbrot, Peitsche und vermutlich eine gro\u00dfe Portion weiblich-italienisches Temperament und die Sache war gekl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Dienstagvormittag wurden wir abgeholt und im Wohnmobil sitzend nach San Severo in die Werkstatt verschleppt. Die Ersatzteile wurden bestellt und bezahlt, und die Wartezeit auf f\u00fcnf Tage angesetzt. Wir verbrachten mehrere Tage vor dem Werkstatttor und verlie\u00dfen das Wohnmobil nur getrennt voneinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir suchten die verlorene Normalit\u00e4t in kleinen Dingen: beim Gassigehen zwischen M\u00fcllbergen und streunenden Hunden, in der W\u00e4scherei, in den Superm\u00e4rkten, beim Arbeiten. Dazu kamen Anrufe bei Versicherungen und Brainstorming \u00fcber Fragen wie \u201eWo bekommen wir neue, g\u00fcltige Kennzeichen her?\u201c. Unsere vierk\u00f6pfige und zw\u00f6lfbeinige Selbsthilfegruppe traf sich mehrmals t\u00e4glich zur Therapiesitzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder machten wir uns klar, wie viel Gl\u00fcck wir trotzdem hatten. Wir erz\u00e4hlten uns, was alles noch schlimmer h\u00e4tte kommen k\u00f6nnen, wie dankbar wir f\u00fcr die vielen hilfsbereiten Menschen waren und wie sch\u00f6n es war, unser \u201eEigenheim\u201c wieder zu haben. Doch das Gef\u00fchl der L\u00e4hmung und Trauer blieb. Erst langsam wurde uns klar, was wir vermissten, was uns l\u00e4hmte und warum wir manchmal m\u00fcde und traurig in Gedanken zur\u00fcckblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir reisen seit \u00fcber zehn Jahren zusammen, jeder von uns sogar noch l\u00e4nger. Immer waren wir achtsam: Wir nahmen Schl\u00fcssel, Zweitschl\u00fcssel und Karten mit, lie\u00dfen nie Wertgegenst\u00e4nde offen liegen. Noch vor der Abreise aus Deutschland bauten wir einen GPS-Tracker ein, richteten ein Geheimfach f\u00fcr Dokumente und Laptops ein und sicherten die Fahrr\u00e4der mit einem besonders starken Schloss. Doch das war\u2019s dann auch. Ohne Bedenken standen wir zum Klettern und Wandern an verlassenen wie belebten Orten, in den hintersten Winkeln verschiedener L\u00e4nder, in heruntergekommenen Gegenden, auf dreckigen Parkpl\u00e4tzen in St\u00e4dten, D\u00f6rfern, W\u00e4ldern und Feldern \u2013 zu jeder Tageszeit. Wir standen immer und \u00fcberall, und niemals hatten wir Angst. Genau das ist es, was sie uns genommen haben. Und das ist etwas, das man nicht einfach irgendwo wiederfinden oder kaufen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir wieder so reisen wollen, wie wir es bisher gelebt und geliebt haben, dann m\u00fcssen wir daran arbeiten \u2013 an unseren K\u00f6pfen, an unserem Vertrauen, an unserem Glauben an das Gute da drau\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anfang war bereits gemacht: all die Menschen, die uns trotz Sprachbarriere oder gro\u00dfer Entfernung mit Geduld unterst\u00fctzt haben. Egal ob Familie und Freunde zuhause, Fremde auf der Stra\u00dfe, die Polizei in Torremaggiore, die schw\u00e4belnde Italienerin oder der Mechaniker, der \u2013 als die Teile am Freitagmittag endlich eintrafen \u2013 seine dreist\u00fcndige Mittagspause f\u00fcr uns opferte, damit wir weiterkonnten. F\u00fcr manche war es \u201egesellschaftliche Pflicht\u201c, f\u00fcr andere einfach der Job. Ja, aber niemand konnte Hingabe, M\u00fche, Freundlichkeit oder Geduld erzwingen oder bezahlen. Sie haben uns diese Hilfe freiwillig geschenkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hoffen, dass wir die Hilfe dieser oder solcher Menschen nicht allzu schnell wieder ben\u00f6tigen. Dennoch ist es tr\u00f6stlich zu wissen, dass es sie an allen Ecken gibt \u2013 und nicht nur diese andere Sorte von Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns geht die Reise nun endlich weiter. In Bari warten wir noch auf unsere neuen Kennzeichen (bei den alten hatte man ja f\u00fcrsorglich die letzte Ziffer entfernt) und ein paar Dinge, die wir ersetzen m\u00fcssen, erledigen ein bisschen Organisatorisches &#8211; und genie\u00dfen in einer \u00f6ffentlichen Park-Sanit\u00e4ranlage ganz ungeniert die ersten langen, hei\u00dfen Duschen seit unserem Start in Deutschland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem wir am vergangenen Samstag unser verloren gegangenes Zuhause wieder einfangen konnten, sa\u00dfen wir erst einmal fest. Am Sonntag besuchten wir die Polizei und die Polizei uns \u2013 sonst passierte nichts, denn gearbeitet wurde nicht. Am Montag organisierte man uns einen Monteur, der das Wohnmobil wieder \u201egangbar\u201c machte. 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